Kleiner Kirchenführer St. Thomas

Liebe Besucherin, lieber Besucher,

schön, dass Sie sich die Zeit nehmen und in unserer St. Thomaskirche vorbeischauen. Lassen Sie sich Zeit und sehen Sie sich um.

Dazu einleitend ein Zitat des Prager Theologen und Philosophen Thomas Halik:

„Glaube und Zweifel sind wie zwei Geschwister, die einander brauchen.“

Nachfolgend ein biblischer Text aus dem 20. Kapitel des Johannes-evangeliums zum Namensgeber unserer Kirche dem Apostel Thomas, der den Beinamen „der Zweifler“ mit sich führt.

Thomas

24 Thomas aber, der Zwilling genannt wird, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.
25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und meinen Finger in die Nägelmale lege und meine Hand in seine Seite lege, kann ich's nicht glauben.
26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen versammelt und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!
27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!
28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!
29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

St. Thomaskirche Elchingen (im Ortsteil Thalfingen)

Etwas mehr als ein Jahr betrug die Bauzeit, dann war sie fertiggestellt. Am 16. Juli 1967 wurde die Thomaskirche geweiht. Sie erhielt ihren Namen nach dem Apostel Thomas, da viele nicht daran geglaubt hatten, dass es tatsächlich zum Kirchenneubau kommen würde.

Der Architekt ist Johannes Ludwig, München (1904 – 1996). Professor Ludwig war von 1969 bis 1983 Direktor der Abteilung Bildende Kunst der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.100 Sitzplätze bieten die Kirchenbänke im Kirchenschiff. Hinzu kommen 50 Sitze im leicht erhöhten Seitenschiff. Am letzten Sonntag im Monat stehen dort Bistrotische. Dann lädt die Gemeinde zum „Kirchenkaffee“ ein. Am ersten Sonntag im Monat ist ein Sakramentsgottesdienst. Zur Kirchengemeinde gehören die evangelischen Christen von Thalfingen, Oberelchingen und Unterelchingen. Die Kirchengemeinde betreibt in Thalfingen eine zweigruppige Kinderkrippe St. Thomas und in Oberelchingen eine Kindertagesstätte mit dem Namen Sternenschiff. In der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) ist der 03. Juli (neben dem 21. Dezember) der Gedenktag für den Apostel Thomas. Im Monat Juli feiert die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde traditionell ihr Gemeindefest rund um die St. Thomaskirche. 

Altar

(Steinmetz: Hermann Günther, Neu-Ulm-Pfuhl)

Der Altar ist für die Christinnen und Christen so etwas wie die geistige Mitte im Kirchenraum. Alle Blicke richten sich hierher. Hier stehen beim Abendmahlsgottesdienst „Brot und Wein“, von hier wird beides den Gottesdienstbesuchern gereicht, die an den Altar treten. Beim Erntedankfest werden die Erntegaben an den Altar gebracht. Bei Taufen werden die Taufkerzen auf den Altar gestellt oder die Ringe zur Trauung dort abgelegt. Sagen wir es so: Wenn es einen Ort in der Kirche gibt, bei dem sich viele Menschen Gott besonders nahe fühlen, dann ist es der Altar. Diese Nähe Gottes wird auch durch die während des Gottesdienstes brennenden Kerzen angedeutet. Zitat aus der Bibel: „Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des  Lebens haben.“ Der Altar ist ein Ort in der Welt, der Himmel und Erde miteinander verbindet. Der Altar ist in der St. Thomaskirche der hellste Ort.

Altarkreuz

Was haben die St. Thomaskirche und das Rockefeller Center in New York gemeinsam? In beiden steht ein Blockkreuz des in Würzburg geborenen Bildhauers Fritz Koenig (geb. 1924): monumental in New York, in einer kleinen Ausgabe in dieser Kirche. Dort, wo sich die Balken des Bronzekreuzes verbinden, erscheinen sie wie ein Stamm mit starken Ästen, die aus den klaren Formen hervor wachsen. Die horizontale und vertikale Ebene sind miteinander verschlungen. Man kann es als schmerzhaftes Verdrehen und Verschlingen ansehen, was an den Kreuzestod Christi erinnert. Gleichzeitig geht von Skulptur und Material eine große Kraft aus, welche die schweren Balken der Marter auseinander schiebt: Der Kreuzestod ist ebenso angedeutet, wie seine Überwindung. Seit der Weihe der Thomaskirche am 16. Juli 1969, steht dieses Kreuz auf dem Altar.

Die OrgelOrgel

Die Orgel der St. Thomaskirche wurde am 7. Juni 1987 eingeweiht. Orgelbaumeister ist Wolfgang Hey aus Ostheim/Rhön. Die Orgel hat 1288 Pfeifen – die kleinsten sind zwei Zentimeter lang, die größten zweieinhalb Meter. Kirchenmusik ist im Gottesdienst unverzichtbar: das Orgelvorspiel, die Begleitung bei den Liedern und das Nachspiel zum Ausklang. Auch die Musik ist eine Möglichkeit, Gott zu begegnen.

Taufstein

(Steinmetz, auch bei der Kanzel: Hermann Günther, Neu-Ulm-Pfuhl)

In der Bibel (Matthäus 28) heißt es: Christus spricht: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker und tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes...Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“  Mit der Taufe werden Menschen in die Kirche, in die Gemeinschaft der Christen und in die Gemeinschaft mit Gott aufgenommen. Deshalb erfolgt eine Taufe auch meist im Rahmen des Sonntagsgottesdienstes. Die Gemeinschaft der Christen ist dann richtig greifbar. Die christlichen Kirchen erkennen seit 2007 untereinander die Taufe an. Die Taufe bedeutet: Gott ist die Quelle des Lebens. Am Ewigkeitssonntag wird für jedes verstorbene Kirchenmitglied rund um den Taufstein ein Licht entzündet als Zeichen der Auferstehungshoffnung. In der Liturgie heißt es: „Wer glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ 

Kanzel

Die Kanzel ist der Ort der Predigt. Pfarrerin oder Pfarrer, Lektoren oder Prädikanten machen eine bestimmte Bibelstelle, die jeden Sonntag wechselt, für die heutige Zeit verständlich. Gleichzeitig verkünden sie Gottes Wort.Die erhöhte Kanzel sollte nicht missverstanden werden. Wer dort steht, „erhöht“ sich nicht gegenüber den Gottesdienstbesuchern. Die Kanzel bietet den festen – und von überall gut sichtbaren – Grund für den oder derjenige, der oder die predigt.

Bronzerelief hinter der Kanzel

Das BronzereliefHinter der Kanzel hat Ernst Steinacker ein Relief  mit den Thomasgeschichten gestaltet: In der Mitte  die berühmte Geschichte vom zweifelnden Thomas.     Er wollte an die Auferstehung erst dann glauben,  wenn er die Finger in die Wundmale Christi legen kann. Die Geschichte endet in der Bibel mit dem glaubensstarken Ausruf des Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ und dem Kommentar Jesu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Das Relief wurde am 1.12.1977 von der Gemeinde Thalfingen gestiftet.

 

Bildtafeln im Kirchenschiff

Das Material ist Beton, die Beschriftung befindet sich jeweils an der linken Seite. Der Bildhauer Ernst Steinacker (1919-2008), der sie gestaltet hat, lebte in Wemding (Nördlinger Ries). Die Bildtafeln wurden mit Spenden von Gemeindemitgliedern finanziert.

Die Tafeln in der St. Thomas Kirche

Die Tafeln zeigen v.l.n.r.:                                                                                          

Der Sündenfall im Garten Eden. Die Entscheidung des Menschen. Die Vision des Menschensohns: Die Ernte ist reif – lege die Sichel an. Mose empfängt aus der Hand Gottes die 10 Gebote. Das Volk betet das Goldene Kalb an. Pfingsten: Die 11 Jünger (ohne Judas) und Maria werden mit dem Heiligen Geist erfüllt(Taube als Symbol des Heiligen Geistes). Der Traum Daniels (Daniel 7,13-14) – Krönung des Menschensohnes.

Glocken

Drei Glocken hängen im Turm der Thomaskirche. Zusammen läuten sie, bevor der Gottesdienst beginnt und am Samstag um 17 Uhr als „Einläuten des Sonntags“. Die große Glocke, die Christusglocke, wiegt  490 Kilogramm. Sie trägt die Inschrift: „Ich bin das Licht – Ich bin das Leben“. (Glockenton: gis). Allein läutet sie, wenn die Trauergäste nach einer Trauerfeier hinausgehen zur Bestattung auf dem Friedhof. Die mittlere Glocke, die St. Thomasglocke ist 290 Kilogramm schwer. Die Inschrift lautet: „Haltet an am Gebet“. (Glockenton: h). Das ist die Glocke, die zum „Vorläuten“ eine halbe Stunde vor dem Gottesdienst und im Gottesdienst beim Vaterunser erklingt, ebenso als Einladung zum häuslichen Gebet täglich um 7, um 12 und um 19 Uhr. Sie erklingt auch bei der Einsegnung der Konfirmandinnen und Konfirmanden an ihrer Konfirmation. Die kleinste Glocke ist die Heilig-Geist-Glocke. Sie wiegt 210 Kilogramm. Ihre Inschrift lautet: „Komm Gott Schöpfer Heiliger  Geist“ (Glockenton: cis). Sie wird bei Taufen geläutet. Alle drei Glocken wurden gestiftet und hängen seit 1966 im Glockenstuhl des Turms. Stifter sind ein Gemeindemitglied, die politische Gemeinde Thalfingen (heute Ortsteil von Elchingen) und die ehemalige „Muttergemeinde“ unserer evangelischen Gemeinde, die traditionell evangelische Gemeinde in Pfuhl (Stadtteil von Neu-Ulm). Die Glocken wurden in der Firma Gebhard in Kempten gegossen. Wenn eine Glocke allein läutet, lädt sie zum häuslichen Gebet ein. Dies ist täglich um 7.00 Uhr, 12.00 Uhr und 19.00 Uhr der Fall. Samstags läuten die Glocken um 17.00 Uhr den Sonntag ein. Sonntags wird um 9.30 Uhr an den Gottesdienst erinnert, zu dem dann um 10.00 Uhr „zusammengeläutet“ wird.

KUNST IN DER ST. THOMAS KIRCHE

Ein bis zwei mal im Jahr findet das Format KUNST IN DER ST.-THOMAS-KIRCHE statt. Nach der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit mit einer Galerie wurde 2017 das Format Kunst in der St. Thomas Kirche erstmals eigenständig durchgeführt.  Hier die Übersicht der Künstlerinnen und Künstler seit 2015. 

2015 Ji in Park (Galerie Smudajescheck)

2016 Hans Schork  (Galerie Smudajescheck)

2016 Rita Rohfing (Galerie Smudajescheck)

2017 Meide Büdel (Große Schwebe)

2017 Stefanie von Thun (Triptychon)

2018 Gerhard Rießbeck (Nachteisberg)

Informationen zum momentanen Kunstwerk finden Sie auf der Seite Aktuelles. 

Pfarrer Jean-Pierre Barraud im Namen des Kirchenvorstandes
Stand: Januar 2018